Viele Artikel zu günstigen Preisen!
Jetzt reduzierte Angebote auf Amazon.de checken!

Amazon Blitzangebote

Haben Patienten zu hohe Ansprüche?

Bild: Haben Patienten zu hohe Ansprüche? Lange Wartezeiten, Nachteile gegenüber Privatpatienten, ungenügende Betreuung: So lauten Klagen vieler Gesetzlich Versicherter. Nun meldet sich ein Arzt aus dem oberbayerischen Baldham zu Wort und kritisiert seinerseits die Ansprüche der Patienten.

Dr. Edgar David arbeitet als Orthopäde in einer Gemeinschaftspraxis mit drei Kollegen in Baldham im Landkreis Ebersberg. Schwierigkeiten bei der Terminvergabe machen ihm zufolge vor allem Patienten, die darauf bestehen, ihren Wunschtermin zu bekommen. Zwei seiner Arzthelferinnen, so der Orthopäde, seien schon mit Tränen in den Augen vor ihm gestanden. Sie hätten gedroht zu kündigen, weil sie es nicht mehr aushalten, dass ihnen Patienten vorhalten, sie würden zu langsam arbeiten oder hätten einfach keine Lust.

"Es ist so, dass wir immer mehr unter Druck stehen von den Terminvergaben. Patienten möchten sofort einen Termin, egal, wie lange die Beschwerden schon bestanden haben oder bestehen. Und wenn alles dies eben nicht erfüllt werden kann an Wünschen, dann gibt es schon heftige Konflikte hier. Dann wird man auch persönlich angegangen - mit Kraftausdrücken, mit allem." Arzthelferin Renate Feraschin

Der Arzt selbst hat eine ähnliche Erfahrung machen:

"Viele von denen, die sofort dran kommen wollen und sich als absoluter Notfall ausgeben, könnten durchaus noch ein wenig auf ihren Arzttermin warten." Dr. Edgar David

Letzter Patient geht gegen 21 Uhr

Der Patient versteht sich oft als Notfall. Die Notfall-Definition ist allerdings im medizinischen Bereich anders, als das manch einer das meint. Wenn der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert, Ärzte müssten einfach mehr arbeiten, dann rechnet ihm Dr. David vor:

"Die Baldhamer Gemeinschaftspraxis macht morgens um 7.30 Uhr auf, offiziell schließt sie um 19 Uhr abends, aber der letzte Patient geht oft erst um 21 Uhr." Dr. Egar David

Und dann wartet noch Büroarbeit auf die Ärzte. Mehr gesetzlich versicherte Patienten heißen für den Arzt zwar mehr Arbeit, nicht unbedingt aber auch mehr Honorar; denn die Krankenkassen zahlen nur bis zu einem bestimmten Limit, die Honorare sind gedeckelt.

"Das Problem für uns ist, dass wir auch nicht wissen, ob wir als Gemeinschaftspraxis bei einer Behandlung von Patienten über das jetzige Maß hinaus Finanzierung bekommen würden. Das heißt, derzeit behandeln wir, nachgerechnet, etwa 1.200 Patienten im Jahr gratis." Dr. Edgar David

Patientenbeauftragter wünscht Bürokratieabbau

Der Patientenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Peter Bauer, ist selbst Jahrzehnte lang Zahnarzt gewesen. Er sagt, natürlich habe jeder Patient das Recht, ernst genommen zu werden. Es brauche aber dringend mehr Ärzte: Und die Ärzte, die jetzt arbeiten, müssen entlastet werden.

"Der Hauptgrund, so sehe ich es, und auch aus den Rückmeldungen von den Patientinnen und Patienten, ist, dass die Praxen mit Bürokratie überschwemmt sind und dass viel zu viel Zeit Bürokratiearbeiten zu erledigen sind und diese Zeit verloren geht, zulasten der Patientenversorgung. Und das sollte man als allererstes ändern. Nämlich Bürokratieabbau in den eigenen Praxen." Peter Bauer, Patientenbeauftragter

Orthopäde David sieht noch einen Grund, warum seine Praxis nicht mehr arbeiten kann: Er bekommt keine Arzthelferinnen, im Großraum München sind gut ausgebildete Arzthelferinnen kaum zu finden. Und die, die er hat, haben meistens Familie, die können und wollen nicht zu jeder Zeit arbeiten – auch wenn die Patienten das vielleicht gerne hätten.

# Passende Artikel zum Thema bei Amazon finden.

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/bayerische-aerzt...


Kommentare


Werbung